Sarracenia, die Schlauchpflanze

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Die Schlauchpflanze, auch "Trompetenblatt" oder "Becherpflanze" genannt, ist mit der Kobralilie verwandt und kommt wie diese aus Nordamerika. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfaßt den Osten und Südosten der USA bis hinauf nach Kanada, und ist damit von dem der Darlingtonia-Pflanzen an der Westküste deutlich getrennt (ein weiterer Grund, warum die Botaniker sich für die Unterteilung in zwei separate Gattungen entschieden haben). Ausgewilderte Populationen der robustesten Art, Sarracenia purpurea purpurea, finden sich in Irland und der Schweiz.

Die Gattung umfasst etwa 15 Arten und Unterarten, sowie eine Vielzahl an interessanten und wüchsigen Hybriden. Alle reinen Arten stehen im Washingtoner Artenschutzabkommen auf Anhang 2, der Liste der gefährdeten Arten. Sarracenia oreophila gilt sogar als vom Aussterben bedroht und wird deshalb in Anhang 1 des WAA aufgeführt.

Wie bei Darlingtonia wachsen die Blätter der Schlauchpflanze direkt aus dem Wurzelstock. Nach oben hin ist das schlauchförmige Laub offen, wird aber von einem (unbeweglichen) Deckel vor eindringendem Regen geschützt. Einzige Ausnahme bildet S. purpurea, die in ihren kurzen, gedrungenen Kannen Regenwasser sammelt, in dem die gefangenen Beutetiere ertrinken. Der Randbereich der Kanne ist meist auffallend und prächtig gefärbt, um der potentiellen Beute eine Blüte vorzugaukeln.

Die Falle von Sarracenia arbeitet mit Nektar als Lockmittel, und sorgt mit Gleitzonen und nach unten wachsenden Haaren innerhalb der Schläuche dafür, daß die Insekten in das Schlauchinnere abrutschen und auch nicht mehr hinauskönnen. Die Falle arbeitet sehr effizient: Im Hochsommer sind die Kannenblätter oft randvoll!

In der kühlen Jahreszeit werden von den Arten aus kühleren Regionen kannenlosen Winterblätter (Phyllodien) gebildet, und die Pflanzen machen eine Ruhepause.

S. alata Sämlinge S. flava S. flava red S. purpurea venosa
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Bild 1: Sämlinge von S. alata, S. flava und S. minor
Bild 2: Blick auf das Schlauchblatt einer Sarracenia flava
Bild 3: Die Variante S. flava "red"
Bild 4: Die niedrigwachsende Art Sarracenia purpurea venosa mit nach oben offenen Krügen

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Kultur der Schlauchpflanze

Die Kultur von Sarracenia kann in großzügig bemessenen Gefäßen auf die gleiche Art und Weise wie die der Venusfliegenfalle erfolgen. Die Arten aus südlicheren Gebieten (zum Beispiel S. leucophylla oder die interessante S. psittacina mit ihren liegenden Schlauchblättern) möchten es etwas wärmer als die winterharten S. purpurea und S. flava. Wichtig sind vor allem: viel Sonne, reichlich Wasser sehr geringen Härtegrades (im Winter weniger) und eine ausreichende Belüftung. Wird Sarracenia in geschlossenen Räumen kultiviert, so ist die Installation eines Ventilators erforderlich, der für ständige Luftbewegung sorgt. Die Schlauchblätter werden sonst sehr weich und hängen zur Seite weg. Eine hohe Luftfeuchtigkeit wirkt sich günstig auf die Pflanzen aus. Sie sollten jedoch nicht mit dem Wasserzerstäuber besprüht werden, da es sonst zu Fäulnis und Schimmelbildung kommen kann!

Im Winter lassen die Phyllodien-bildenden Arten einen Teil ihrer Schlauchblätter vertrocknen. Die abgestorbenen Teile dürfen abgetrennt werden.

Während der Vegetationszeit kann es passieren, daß die Schlauchpflanze zu viele Insekten fängt. Der Mittelteil der betroffenen Schlauchblätter verrottet dann sehr schnell, und das Blatt knickt irgendwann ab. Dies ist kein ernstzunehmender Gesundheitsschaden, sieht jedoch ziemlich häßlich aus. Als vorbeugende Maßnahme empfiehlt sich das Verstopfen der frisch geöffneten Kanneneingänge mit einem kleinen Wattebausch.


Weitere kannenbildende Pflanzen:

 

Pflanzen mit anderen Fallentypen:

Cephalotus, der Zwergkrug   Dionaea, die Venusfliegenfalle
Darlingtonia, die Kobralilie   Drosera, der Sonnentau
Heliamphora, der Sumpfkrug   Drosophyllum, das Taublatt
Nepenthes, die tropische Kannenpflanze   Pinguicula, das Fettkraut
  Roridula, die halbkarnivore Taupflanze

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