Heliamphora, der Sumpfkrug

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Der Sumpfkrug stellt die wohl einfachste Art der Grubenfalle dar: Zu Trichtern gerollte Blätter sammeln Regenwasser, in dem Insekten ertrinken und von Bakterien zersetzt werden. Ein rudimentärer Deckelansatz sorgt mit Nektardrüsen für die Anlockung der Beute.

So einfach diese Falle aufgebaut sein mag, so außergewöhnlich ist der natürliche Lebensraum der aus ungefähr einem dutzend Arten und Unterarten bestehenden Gattung Heliamphora. Wild wächst diese urtümliche Pflanze nämlich nur auf den Tafelbergen im Süden Venezuelas, den Tepuis. Steile, bis zu 1000 Metern hohe Felswände erheben sich über dem Regenwald und tragen auf ihren Schultern Plateaus mit einer einzigartigen Flora. Etwa ein Drittel der Pflanzen auf den Tepuis, unter anderem der Sumpfkrug, wachsen nur dort. Die hohe Lage nahe am Äquator sorgt für relativ warme Tage und sehr kalte Nächte in einem der regenreichsten Gebiete der Welt. Fast ständiger Dauerregen wäscht den Boden aus und speist Wasserfälle, die zu den höchsten der Erde zählen.

H. minor
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Bild 1: Heliamphora minor, der kleine Sumpfkrug

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Kultur des Sumpfkrugs

Der Sumpfkrug ist sehr gut an das nasse tropische Gebirgsklima seiner Heimat angepaßt und überlebt hierzulande nur im temperierten Gewächshaus oder einer geschlossenen Pflanzenvitrine bzw. Terrarium. Die Pflanze braucht sehr viel (Kunst-)Licht, mag aber keine Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius! Mindestens ein oder zweimal täglich sollten die Pflanzen mit weichem Wasser besprüht werden. Hierfür kann in dem Terrarium die Pumpe eines Zimmerspringbrunnens mit angeschlossener Zeitschaltuhr zum Einsatz kommen, notfalls reicht aber auch manuelles Besprühen mit einem herkömmlichen Pumpsprüher. Eine Nachtabsenkung der Temperaturen trägt sehr zum Gedeihen der Pflanzen bei.

Als Substrat verwende ich die von Andreas Wistuba in einer Ausgabe GfP-Fachzeitschrift "Das Taublatt" empfohlene Mischung aus einem Teil Torf und einem Teil Styroporflocken. Die Pflanzen werden dann im Anstauverfahren bewässert, stehen also in etwa 1 cm tiefem, weichem Wasser.

In der Wachstumszeit dünge ich die Heliamphoren sporadisch mir sehr schwach dosiertem Orchideendünger direkt in die Krugblätter.


Weitere kannenbildende Pflanzen:

 

Pflanzen mit anderen Fallentypen:

Cephalotus, der Zwergkrug   Dionaea, die Venusfliegenfalle
Darlingtonia, die Kobralilie   Drosera, der Sonnentau
Nepenthes, die tropische Kannenpflanze   Drosophyllum, das Taublatt
Sarracenia, die Schlauchpflanze   Pinguicula, das Fettkraut
  Roridula, die halbkarnivore Taupflanze

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